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Reisetagebuch - Im Krankenhaus

Die medizinische und sanitäre Ausstattung vieler Krankenhäuser in Rumänien ist sehr rückständig. Um so mehr freut es uns zu sehen, wie unsere Hilfsmittel eingesetzt werden können. Doch leider fehlt immer noch viel Geld, damit alles in Stand gesetzt werden kann.

Im Krankenhaus

 

Freitag, 01.06.2001

 

Waschmaschine von 1920
Die Waschmaschine von 1920

Krankenhaus Avrig - nächste Entladestation. Der Chefarzt empfängt uns, er zeigt uns das Krankenhaus. Schlimme Zustände in den Warte-, Behandlungs- und Krankenzimmer. Dieses Krankenhaus wird mit Hilfe einer holländischen Organisation saniert. Wir laden Kinderkrankenbetten und Entbindungsstühle ab. Die Freude darüber ist riesig. Mit unseren Entbindungsstühlen sind unerwartet zwei Entbindungsräume funktionsfähig geworden. Wie schön!! Im abschließenden Gespräch wird uns großer Dank ausgesprochen und eine lange Wunschliste mitgeteilt.

Weiter geht´s zur Physio-Klinik in Sibiu. Hier wollen wir den Rest unserer Ladung unterbringen. Viele fleißige Hände helfen uns beim Abladen der Krankenhausbetten, medizinischen Geräte, medizinischen Wasserbecken, Gehhilfen, Bettwäsche, Krankenhausgeschirr, Verbandszeug usw. Beim späteren Rundgang durch die Klinik stellen wir erfreut fest, dass ein großer Teil der medizinischen Geräte schon einen Platz im entsprechenden Bereich haben. Es sieht so aus, als hätten sie dort schon immer gestanden, das ist Beweis dafür, dass sie benötigt werden.

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Badeabteilung mit herabfallenden Fliesen
Badeabteilung mit herabfallenden Fliesen

Frohe Krankenhaus-Gesichter um uns herum. Ich spüre aber auch die Erwartungshaltung auf mehr ... Die Klinik ist in einem ganz schlimmen Zustand, es herrscht Bedarf in allen Bereichen. Mir kommt der Gedanke "Wir müssen einen Paten finden", der sich dieser großen Aufgabe annimmt. Unser Verein erscheint mir zu klein für diese Problematik.

Der Chefarzt setzt durch, dass ich mit ihm zum Masseur gehe und meine müden Schultern und Arme behandeln lasse. Welch eine Wohltat...


 

Behandlungsliege
Behandlungsliege

... aber ich muss doch immer an die alte (von 1920) Waschanlage, die desolate Heizung - nicht wieder zu reparieren-, die Badeabteilung mit versparkten und verschimmelten Wänden die abgefallenen Fliesen, die wackeligen, morschen Behandlungsliegen u.a. denken. Es fehlt überall! Wir führen dank Chippi gute Gespräche mit dem Arzt und seiner Sekretärin. Sie richten an uns eindringliche Bitte um weitere Spenden. Wir verlassen nachdenklich die Klinik, uns erfüllt bei aller Nachdenklichkeit aber auch das Gefühl "Wir haben geholfen". Die Sachen sind am richtigen Ort abgegeben, wir konnten mit unserem Transportgut sinnvoll helfen.

 

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Samstag, 02.06.2001

 

Friedhof
Rumänischer Friedhof

 

Markt in Rumänien
Markt in Rumänien

 

Heute bin ich früh aufgewacht. Es soll unser erster freier Tag werden. Siegfried läuft schon in der Wohnung herum. Wir beschließen, den Tag mit einem Spaziergang durch Avrig zu beginnen.

Siegfried macht mich auf einiges aufmerksam, was ich bisher noch nicht gesehen habe. Es tut gut, ohne Termindruck durch Avrig zu gehen. Jetzt kann ich meine Umgebung genau ansehen, die Armut der Leute wird mir wieder bewusst. Alles was ich sehe, ist ärmlich und einfach. Wir gehen zur Bauarbeitersiedlung - hier sind die Menschen noch schlimmer dran, als im Avrig. Wenn ich nicht die Dankbarkeit, für die von uns mitgebrachte Hilfe, in mir hätte, würde ich bestimmt traurig sein. Auf dem Friedhof von Avrig entdecken wir viele deutsche Namen. Ich werde Georgi danach fragen. Unser Spaziergang führt uns durch große Felder, hier übernachten Jugendliche an einem kleinen schwelenden Feuer. Wahrscheinlich obdachlose Zigeuner. Über den allwöchentlichen Markt in der Nähe unserer Unterkunft, bei Gion und Georgi, gehen wir zurück.

 

 
Kinder beim Essen
Beim Essen

Gegen 8.30 Uhr ein Anruf aus dem Kindergarten. Der Bürgermeister, der Experte für Hilfstransporte und die Kindergärtnerinnen haben entschieden, dass ein Teil der Bekleidung an den zweiten Kindergarten in Avrig abgegeben wird. Wir werden gebeten, den Transport zu übernehmen. Also heute noch nicht frei ... .

Um 9.30 Uhr beladen wir den LKW, bringen die Fuhre zum nächsten Kindergarten.

Um 14.45 Uhr holen wir die Kindergärtnerinnen und den Schulleiter ab und fahren zur Cabane. Siegfried und ich sind Gäste. Wir sollen verwöhnt werden mit Essen und Trinken. Wir dürfen nicht helfen. Alle mitgebrachten Lebensmittel werden von den Frauen zubereitet, es schmeckt herrlich.

Ich bin froh, heute genau hier zu sein. Die Kindergärtnerin Anni bemerkt meine Stimmung, sie sagt mir ihre Gedanken und die Gedanken ihrer Kolleginnen zu unserer Hilfe und zu unserem Hiersein. Es ist ein bewegender Augenblick. Obwohl wir unterschiedliche Sprachen sprechen, verstehen wir uns in diesem Moment. Ich verliere die Fassung und weine. Ich fühle mich reichlich beschenkt, in diesem fremden Land, mit fremden Menschen, aber so vielen guten Gefühlen.

 

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Sonntag, 03.06.2001

     
Renate und Georgi beim Ausflug
Renate und Georgi beim Ausflug
  Heute haben wir frei!!
Wir machen einen Familienausflug mit dem LKW. Unser Ziel ist der 2.600 m hohe Berg, auf den wir von der Cabane aus immer gesehen haben. Dort oben liegt ein ehemaliges Ferienhaus von Ceausescus. Während der Fahrt wird mir streckenweise mulmig. Die Höhe ist enorm! In 2.000 m Höhe ist es kalt und regnerisch, es liegt noch Schnee. Wir stellen das Auto an einer Schneewehe ab, laufen ein wenig, sehen einigen Snowboard-Fahrern zu, genehmigen uns eine heiße Suppe und machen uns dann auf den Heimweg.

 
 

 

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